Super Steady Shot mit Vollformatsensor

1. Februar 2008, 00:00:00 Uhr:

In Internet-Foren hört man oft die Behauptung „Sensorbasierte Bildstabilisierung funktioniert nicht mit Vollformatsensoren”. Die zwei Hauptargumente sind:

  1. Der Spiegelkasten ist zu klein. Der Sensor hat keinen Platz sich zu bewegen.
  2. Der Bildkreis der existierenden Objektive ist zu klein. Der Sensor würde sich aus dem Bildkreis herausbewegen.

Das erste Argument ist völliger Blödsinn. SSS wird nicht in eine existierende Kamera nachträglich eingebaut. Es wird eine neue Kamera konstruiert. Nichts verbietet, den Spiegelkasten etwas breiter und höher zu bauen.

Das zweite Argument verlangt eine genauere Analyse. Alles hängt von zwei Faktoren ab:

  1. Wie weit muss sich der Sensor bewegen?
  2. Wie groß ist der Bildkreis wirklich?

Um die erste Frage zu beantworten, kann man einen einfachen Test anstellen: Man nehme eine Kamera ohne oder mit abgeschalteter Bildstabilisierung und mache eine längere Belichtung aus der Hand. Dann schaue man im resultierenden Foto nach, wie weit sich das Bild während der Belichtung über den Sensor bewegt hat.

Ich habe die Sony A700 mit abgeschaltetem SSS und das 100/2.8 Makro verwendet, auf mittlere Entfernung gestellt und eine Belichtung von 1 Sekunde gemacht. Beachten Sie, dass 1 Sekunde bei 100 mm weit jenseits der 2 bis 4 Blendenstufen Verbesserung liegt, die die meisten Hersteller angeben. Mit 2 Blendenstufen Verbesserung könnte man bei 1/25 Sekunde fotografieren, bei 4 Blendenstufen mit 1/6 Sekunde. Für 1 Sekunde bräuchte man eine Verbesserung um 6 bis 7 Blendenstufen, was derzeit kein Hersteller liefert.

Test mit 1 Sekunde, 100 mm
100%-AusschnittVergrößerung

Trotzdem ergibt eine Analyse des entstehenden Fotos, dass sich das Bild während der Belichtung nur um ±30 Pixel bewegt hat. Das entspricht einer absoluten Bewegung um ±0,17 mm. Mit anderen Worten, der Sensor müsste sich um ±0,17 mm in entgegengesetzter Richtung bewegen, um die Verwacklung auszugleichen.

Was ist aber mit Vollformat? Man kann nun alle Berechnungen anstellen und die Bildbewegung in Winkelbewegung umrechnen, diese ins Verhältnis setzen mit dem Bildwinkel des Objektivs mit APS-C-Sensor, mit dem Bildwinkel des gleichen Objektivs mit Vollformatsensor vergleichen, dann wieder zurückrechnen in die Bildbewegung auf dem größeren Sensor, und dann würde man am Ende (Überraschung, Überraschung!) genau die gleichen Werte erhalten. Das ist auch unmittelbar einsichtig. Schließlich ist es das Objektiv, das das Bild erzeugt, und die gleiche Winkelbewegung erzeugt mit dem gleichen Objektiv auch immer die gleiche Bildverschiebung, egal wie groß der Sensor ist.

Sind wir also großzügig und verwenden ein 600 mm-Objektiv. Dieses hat 1/6 des Bildwinkels des 100 mm und hat deshalb die 6-fache Bildverschiebung bei gleicher Winkelbewegung zur Folge. Mit unserer Belichtung von 1 Sekunde müsste sich der Sensor also um ±1,02 mm bewegen, um die Verwacklung auszugleichen. Erinnern Sie sich dabei aber, dass wir immer noch weit außerhalb der Möglichkeiten aktueller Systeme arbeiten. Wir sind aber extra-großzügig. Vielleicht hat der Fotograf ja zwei Espresso beim Mittagessen getrunken, wackelt also etwas stärker, sagen wir ±1,5 mm. Nun schauen wir uns das Gesamtbild an. Kann wirklich jemand behaupten, dass es unmöglich ist, einen Sensor von 36×24 mm um ±1,5 mm zu bewegen, um die Verwacklung auszugleichen? Und kann wirklich jemand behaupten, dass es unmöglich ist, den Spiegelkasten in jeder Richtung um 1,5 mm zu vergrößern, um dem Sensor den Platz für die Bewegung zu geben?

Betrachten wir nun den Bildkreis der Objektive. Die meisten Leute, die behaupten, er sei zu klein, scheinen nie einen gesehen zu haben. Bei allen Objektiven ist der Bildkreisdurchmesser größer als 43,3 mm. Das Bildformat 36×24 mm ist nicht so knapp in den Bildkreis eingepasst. Zudem ist der Rand des Bildkreises keine scharfe Kante, sondern ein sanfter Übergang. Speziell bei Teleobjektiven, bei denen man die größten Auslenkungen zur Korrektur benötigt, ist der Bildkreis relativ groß, und es gibt kaum Probleme mit Vignettierung. Vignettierung ist eher ein Thema bei Weitwinkelobjektiven, aber bei diesen braucht man nur kleinere Auslenkungen zur Korrektur.

Zusätzlich sollte man sich an die Objektive erinnern, die speziell für Kameras mit APS-C-Sensor konstruiert sind. Mit diesen funktioniert SSS ebenso gut wie mit Vollformatobjektiven.

Zusammenfassung

Ein Sensor benötigt nur kleine Auslenkungen, um eine typische Verwacklung auszugleichen, und die Auslenkung ist unabhängig von der Sensorgröße. Desweiteren ist der Bildkreis der bisheringen Objektive groß genug für diese Auslenkungen, selbst mit Vollformatsensoren.

In Internet-Foren hört man oft die Behauptung „Sensorbasierte Bildstabilisierung funktioniert nicht mit Vollformatsensoren”. Die zwei Hauptargumente sind: Der Spiegelkasten ist zu klein. Der Sensor hat keinen Platz sich zu bewegen. Der Bildkreis der existierenden Objektive ist zu klein. Der Sensor würde sich aus dem Bildkreis herausbewegen.